Flucht 2.0: Was Geflüchtete wirklich mit ihren Smartphones machen

Carola Richter, Martin Emmer, Marlene Kunst

Abstract


Im Sommer 2015, im Zuge der Ankunft hunderttausender Flüchtender in Deutschland, sprach aus vielen Medienbeiträgen Verwunderung: Wieso hatten viele der Geflüchteten kaum ein Hemd am Leib, dafür aber Smartphones in der Hand? Das Thema wurde zumeist anekdotisch aufgearbeitet, Geflüchtete schilderten in entsprechenden Berichten, wie sie die Geräte nutzten, um mittels GPS und GoogleMaps durch unbekanntes Terrain zu navigieren, Geldüberweisungen veranlassten oder Informationen für den weiteren Weg durch Europa abriefen (Meyer 2015; Stock/Özmen 2015). Der Eindruck vom Smartphone als „Fluchthelfer“ entstand, der gleichwohl ein gewisses Geschmäckle in sich trug, als ob vor allem die westliche Technologie dazu führe, dass sich Menschen auf die Flucht begeben. Dabei sind Mobiltelefone überall auf der Welt ein Gegenstand des alltäglichen Gebrauchs geworden und müssen deshalb natürlicherweise auch im Fluchtkontext eine Rolle spielen. Allerdings – das zeigte das Medieninteresse unmittelbar – war wenig über das wie, wann und warum der Smartphone- und Internetnutzung von Flüchtenden bekannt.

Ausgehend von diesem Forschungsdesiderat interessierte uns, welche generelleren Muster der Mediennutzung und insbesondere der Nutzung digitaler Medien sich im Kontext aktueller Fluchtbewegungen identifizieren lassen. Wir haben dazu im Frühjahr 2016 mehr als 400 nach Deutschland Geflüchtete nach ihren Mediennutzungsmodalitäten vor, während und nach der Flucht befragt, um so repräsentative Schlussfolgerungen ziehen zu können.

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